Beim Bike-Kurs: mit E-Hilfe und vielen Kniffs

Die Technik ist die vielleicht wichtigste Disziplin beim Biken. Papa hat sich getraut, bei einem Bike-Kurs mitzumachen – und ist mit vielen großen und kleinen Tricks wieder nach Hause gekommen.

Papa beim Biken. Das ist vor allem eine Sache von Schweiß, Anstrengung, Kraft und Ausdauer. Wenn er mit seinem Mountainbike das Allgäu unsicher macht, geht es zumeist auf Asphaltstrecken oder Forstsstraßen bergauf und auf Forststraßen oder Asphaltstrecken wieder bergab. Für ordentliche Trails reicht die Fahrtechnik nicht so wirklich – und zu groß ist die Angst vor einem Sturz oder sonstigen Kalamitäten.

Zeit also, mit einem Bike-Kurs etwas gegen das Zaudern auf dem Bike zu tun. Ich stehe also im kleinen, aber feinen Bike-Übungspark am Skilift in Deutschnofen im schönen Eggental hoch über Bozen – und vor mir steht Gerhard Krautwurst, der mir in den folgenden Tagen mit Rat, Tat und Kniffs (und so mit mancher göttlichen Anekdote) zur Seite stehen wird. Für die beiden Übungstage hat „Krauti“ so lange an die Gruppenteilnehmer hingeschwätzt, bis auch der letzte von uns überzeugt war, das Mountainbike gegen ein E-Bike einzutauschen. Das hat den Vorteil, dass wir bei den folgenden Übungsausfahrten deutlich flexibler sind und der Aktionsradius ungefähr beim Dreifachen eines Mountainbikers ist – und nicht zuletzt rollt das E-Bike bei eher anspruchsvollen Downhills dank seines größeren Gewichts und des niedrigeren Schwerpunkts stabiler auf dem Untergrund – was mir alten Bike-Angsthasen dann doch entgegenkommt 😉

Doch vom Gelände sind wir beim Bike-Kurs erstmal weit entfernt…

Die erste Übung scheint easy: Fuß aufs Pedal und bergab rollen und bergauf schieben. Danach den „falschen“ Fuß nehmen, was die Sache schon deutlich schwerer macht. Und nun das ganze mit überkreuzten Beinen. So nach und nach arbeiten wir uns in einen richtigen Übungsparcours vor: Geradeausfahren, Kurven fahren, Slalom um Stangen, Hütchen und Steine fahren. Die Übungen für sich erfordern ein wenig Konzentration, sind aber gut machbar.

Die Downhill-Grundposition

Hier mache ich auch zum ersten Mal so richtig Bekanntschaft mit der Downhill-Grundposition, die ich all die Jahre nicht wirklich sauber hingekriegt habe. Fußballen aufs Pedal – und parallel auf den gleich hohen Tretern stehen. Muss man sich am Anfang erst noch stetig einreden, geht aber schnell in Fleisch und Blut über. Und es dauert nicht lange, bis wir den ersten Berg erklimmen. Er führt uns hinauf zur kleinen Rampe, auf der wir zunächst das Punkt-Bremsen üben. 20 Prozent hinten, 80 Prozent vorne – so komme ich auch im steileren Gelände stabil zum Stehen. Klappt überraschend gut, noch dazu wenn man aus der sauberen MTB-Grundposition startet 🙂

Wenn der Berg steiler wird – und das tut er gerade – dann ist der Schwerpunkt soweit hinten wie möglich am besten. Also Popöchen hinter den Sattel gestreckt und den Testhang runter. Klappt. Nur, als wir auch noch das „Hintenabsteigen“ üben, wird mir mulmig. Klappt aber ebenfalls überraschend hervorragend und ich bin fast ein bisschen stolz, dass ich nach sovielen Kilometern auf dem Bike und auch auf dem Mountainbike jetzt endlich mal auch ein bisschen Technik mitbekommen habe.

Ausritt am Nachmittag

Am Nachmittag fahren wir mit Krauti auch schon ins Gelände, hier steht erstmal ein kleiner Exkurs ins Thema „Batteriemanagement“ an. Krauti löst das so, indem er weiß, dass unsere Batterie für die 30 km-Runde sicher reichen wird – er uns das aber nicht sagt. Und so schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe: Er sorgt für einen sorgsamen Umgang mit der Akkuladung, indem wir schön brav mit dem ECO-Modus bergauf kurbeln, anstatt den Tour-, EMTB- oder gar Turbo-Gang zuzuschalten. Und somit sorgt er auch dafür, dass wir ab 10 Prozent Steigung auch ins Schwitzen geraden – auch wenn das am Tag vorher keiner so recht glauben wollte. Die rund 30 Watt, die uns der ECO-Modus bergauf zusätzlich spendet, tun gut – aber sie verhindern nicht, dass man Sport treibt und das Shirt langsam, aber stetig schwitziger wird. Dazu kommt, dass auch schwierigere Passagen mit dem Bike mit Hilfsantrieb gut zu meistern sind. Bergauf, weil der Motor jene Reserven zusteuert, die mir sonst beim Selbertreten im steilen Gelände auf rutschigem Untergrund fehlen. Und bergab, weil der Motor dem E-Bike einen tiefen Schwerpunkt und somit eine stabile Fahrlage verleiht.

Panoramarunde durchs Eggental

Krauti hat für uns eine wahre Panoramarunde durch das Eggental zusammengestellt: Wir starten in Deutschnofen, fahren zur Laab-Alm (selbstverständlich müssen wir dort eine Mahlzeit, einen Nachtisch und eine adäquate Anzahl an Espressi zu uns nehmen – schließlich sind wir ja in Südtirol!), von dort weiter hinauf zum Jochgrimm-Pass zwischen Weißhorn und Schwarzhorn (Nomen est omen) – und dann bergab zum Kloster Weißenstein mit seinem beeindruckenden Kirchlein. Am Schluss zittere ich mich mit „nur“ noch zwei Balken zum letzten 150-Höhenmeter-Anstieg, der aber spielend gelingt.

Nach einem Vormittag im Übungspark und einem Nachmittag bei einem Ausritt ins Eggental ist das Fazit ein überwältigtes. Und der Akku wandert an die Ladestation. Sagenhafte 10 Cent kostet es, die Batterien wieder aufzuladen! Wenn das mal nicht ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis ist? 😉

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