Wenn der Wanderblogger beim Bloggerwandern zum Trekking geht

Einmal im Jahr packt Papa seinen Rucksack und lässt Mama, Jonas und Timmi für ein Wochenende daheim zurück. Er zieht hinaus, um beim Bloggerwandern neue Erfahrungen rund ums Wandern zu machen. Nach dem Wandermarathon im vergangenen Jahr war in diesem Jahr Zelten angesagt: Papa hat für die wandern-mit-familie.de-Familie den Test gemacht, ob Trekking in der Pfalz eine Alternative ist zum gechillten Familienurlaub am Strand. Hier sein Bericht: Wenn der Wanderblogger beim Bloggerwandern zum Trekking geht.

 

Wandern und Zelten – das ist doch eher ein Fall für junge Leute. Vor reichlich 25 Jahren war ich mit dem Bike und Zelt in Bayern unterwegs. Alleine. Und meine Familienzelterlebnisse beschränken sich auf das obligatorische „Zelten im Garten“, das normalerweise einmal im Jahr stattfindet, aber heuer wegen der verflixten Gewitterneigung tatsächlich komplett ausfallen musste. Anfang Mai flatterte eine Einladung zum Trekking in der Pfalz ins Haus. Ehrensache, dass ich mich da um einen Platz bewerbe. Nach dem Wandermarathon im Westerwald vor einem Jahr hatte ich wieder so richtig Bock auf die wilden Wanderblogger aus halb Deutschland. Und die Sache mit dem Zelten? Im September? Ohne Dusche? Naja, wird schon nicht so schlimm werden…

Fröhliches Anwandern &
adäquate Gipfelrast

Gesagt – getan. Angereist zum Bloggerwandern nach Winnweiler. Das liegt in der Nordpfalz, zwischen Kaiserslautern und Bingen am Rhein und ist ein schön verschlafenes Örtchen, wo man sich im sehenswerten Bistro Max, einer imposanten ehemaligen Turnhalle, zum fröhlichen Anwandern hinauf zum Trekkingplatz nach Imbach trifft. Wie immer gebührt mir der Pokal für die weiteste Anreise – und als die ersten Wanderblogger beim Anstieg hinauf zur Kreuzkapelle kräftig ins Schwitzen und Zetern kommen, grinse ich bloß. Die paar Höhenmeter dort droben im Mittelgebirge – das kann ja schon theoretisch gar nicht so schlimm werden…

Es geht auf dem Pfälzer Höhenweg bergauf, bergab, bergauf, bergab. Mich als Alpenbewohner macht das ja schon immer ein bisschen aggro – bin ich es doch gewohnt, ein bis vier Stunden einen Berg hinaufzuhatschen – um anschließend nach der Gipfelrast wieder ein bis drei Stunden hinunterzuschlappen. Das ist hier in der Pfalz anders. Immer, wenn die anderen einfach weiterlaufen, hebe ich beim vermeintlichen höchsten Punkt der Tour an zu einer adäquaten Gipfelrast samt Vesper und allem, was dazugehört – doch es geht weiter, stehen doch noch drei, vier solche Zwischengipfel auf dem Tableau. An der Kreuzkapelle gibt’s dennoch einen Schluck aus der Wasserflasche und einen herrlichen Blick auf Winnweiler. Nach sieben der insgesamt 112 Kilometer des Pfälzer Höhenwegs führt man uns schließlich links in den Wald, einen Abhang hinab und schon stehen wir im belaubten Nichts. Das ist also der Trekkingplatz? Hier werden wir zelten? Und wo ist das Klo- und Waschhäusle? Hat Karin das vorhin beim Loswandern wirklich ernst gemeint mit „Ihr werdet jetzt zum letzten Mal für 24 Stunden fließend Wasser genießen können…“? Naja, erst mal das Zelt aufbauen – soooo schlimm wird’s schon nicht sein.

Zwei Vorgaben: 
leicht & billig

Meine Trekkingausrüstung entspringt zwei Vorgaben: Leicht soll sie sein – und nicht gerade ein Vermögen kosten. Also baue ich mein 17,99 EUR-Zelt auf, das ich mir im Internet bestellt hatte (980 Gramm). Ich entrolle meinen Sommerschlafsack vom Discounter, der schön klein zusammenzukomprimieren ist und nur 780 Gramm wiegt (14,99 EUR). Und ich blase meine Outdoor-Schlafmatte auf (800 Gramm, mit 39 EUR der Krösus unter meinen Outdoorsachen!) auf. Den Schlafsack falte ich allerdings sorgsam wieder zusammen – ich denke an die Feuchtigkeit, die jetzt zum Sonnenuntergang schon langsam in den dichten Wald zieht und sehe im Kopfkino schon dicke, fette Tauperlen auf meinem Schlafsackerl. Nebenan wird bereits hektisch nach den ersten Powerbanks im Rucksack gefischt, bei Facebook erlebe ich schon live, wie es den lieben Kollegen beim Zeltaufbau ergangen ist. Ich poste natürlich NICHT, dass mir diese verdammiche kleinere Stange vom Zelt dauern einklappt und dass ich beim Atmen mit meinem Baucherl ständig an die Zeltplane stoße, die jetzt noch schön trocken ist, aber heut nacht bestimmt pitschnass sein wird. Bammel, hoffentlich überstehe ich diese Nacht ohne Frostbeulen!

Zweites T-Shirt-drüber, Longsleeve, Pulli, Jacke und Jacke – es kann losgehen zur Kupferberghütte. Beim leichten Anstieg dorthin kann ich das Zwiebelprinzip wieder in umgekehrter Reihenfolge anwenden: Jacke runter, Jacke runter, Pulli runter, T-Shirt bleibt dran… Tobi und Karin haben ein köstliches Abendprogramm mit dem Förster Dieter Grass organisiert, der das Kunststück fertigbringt, an nur einer einzigen Feuerschale für 25 Leute zu kochen. Köstliches Wild zu kochen, braten, dünsten. Zum Start gibt’s Lachs am Brett und Hirtenkäse mit Wirsing. Anschließend schmecken Reuhkeule, Rehrückenbraten aus der Glut und Wildschweingulasch und die Bratkartoffeln gigantomanisch, ebenso wie das Schnorres-Bier bei der Bierprobe (Brauer Martin Leister ist ein wilder Typ, der gut erzählen kann!) und der Pfälzer Wein zu vorgerückter Stunde. Als Dessert gibt’s Schokobanane vom Grill – ein herrlich köstliches Wiedersehen äh -schmecken mit der Eszet-Schnitte aus meiner Kinderheit und Jugendzeit. 🙂 Aaaaber: die Übernachtung rückt näher, die kalte, grimmig frostige Nacht im völlig ungeeigneten Billigzelt. Bei prognostizierten 3 bis 5 Grad über Null. Wird kalt werden. Wird’s mich a.) arg, b.) sehr oder c.) unmenschlich viel frieren? Und: Werde ich morgen vor lauter Frost überhaupt meinen eingefrorenen Reißverschluss aufkriegen?

Die Nacht im
Hochleistungszelt

Wir wandern zurück zum Zeltplatz. Einige der Mitwanderer sind müde und verzupfen sich schnell ins Bett. Ja, wir haben gelernt: Am besten nach der Bewegung mit warmer Muskulatur in den Schlafsack schlüpfen, angemessen viele Lagen Stoff tragen – und sich selbst des nächtens von innen wärmen. So hält man in kalten Polarnächten am besten in der Wildnis durch. Auf absolut keinen Fall sollte man zuviel Alkohol konsumieren. Naja, am Lagerfeuer gibt’s Gitarrenmusik (Karin ist die musikalische Entdeckung des Abends) und Grau- und Spätburgunder… Mein Phone meldet 2% Akkukapazität und 2.28 Uhr, als ich mich in mein Hochleistungzelt schäle. Glücklicherweise fallen mir in der Sekunde, als ich den Schlafsack-Reißverschluss zuziehe, die Augen zu – und ich habe gar keine Gelegenheit mehr, mich über die Risiken und Nebenwirkungen des Trekking sowie die Gesundheitsgefahren durch Erfrierungen zu grämen. Wird’s am Schluss gar net so schlimm mit dieser Wildnispolarnacht?

Dreieinhalb Stunden später putzen vor meiner Zeltwand die Early Birds schon wieder die Zähne. Mir ist frisch, aber nicht kalt. Mein Schlafsack ist ein bisschen klamm, aber nicht patschnass – und von den Zeltwänden tropfen nicht die befürchteten Sturzbäche. Ich kanns gar nicht fassen, ich hab die Nacht überstanden. Übrigens im T-Shirt, wie mir gleich auch noch auffällt. Ich habe keine Rotznase, keine Hustattacken und muss nicht mit Erfrierungen ins Krankenhaus. Es war eine völlig entspannte Trekking-Nacht – OHNE BESONDERE VORKOMMNISSE. Nur bisschen müde bin ich, ziiiiiiiiiemlich müde.

Weiter bis zum
Pfälzer Wanderflow

Nach einem guten Frühstück und Instantkaffee von der offenen Flamme (kann echt köstlich schmecken!) geht es ans Einpacken der Zelt-Habseligkeiten. Wenn es einen Mülleimer beim Trekkingplatz geben würde, hätte ich ihm sogleich mein Luxuszelt geschenkt. Gibt’s aber nicht, also lad ich mein Hab und Gut in den Rucksack, stehen heute doch noch knapp 20 Kilometer auf der Teufelstour an. Unser Wanderführer heißt Mario und erzählt uns nach dem ersten Anstieg die Geschichte vom Sandsteinbruch, aus dem die Quader für den Deutschen Reichstag verbaut wurden und wo heute noch Austauschblöcke geborgen werden. Wir wissen nicht so recht, ob wir das glauben wollen, aber so nach und nach kommen wir in den üblichen Pfälzer Wanderflow. Es geht bergauf- und bergab. Einmal, zweimal, dreimal, viermal. Das fünfte Bergab vor dem Beere(n)weinmuseum in Eulenbis schenken wir uns auf der Direttissima in den samstagnachmittäglich verschlafenen Ort – und gleich gibt’s köstliche Kartoffelsuppe, etwas Zuckerhaltiges zu trinken – und ein Klo mit fließend (Kalt-)Wasser. Wie schön ist es doch, sich das kostbare Nass durch die Hände laufen zu lassen und sein müffelndes Haupt zu erfrischen? 🙂

Im Museum zeigt uns der erlebenswerte Arnold Jung, wie Wein nicht aus Trauben, sondern auch einer ganz besonderen Birnenart gemacht wird, ehe der Talabstieg folgt: Die letzten 5 Kilometer bergab bis zum Endpunkt der Teufelstour in Sulzbachtal am Bahnhof. Noch eine Stunde bis zur Dusche. Einchecken im Otterberger Hof (endlich mal darf ich den für mich legendären Ort besuchen, von dem eine frühere Arbeitskollegin fast jeden Tag erzählt hat). Ausziehen, Duschen. 20 Minuten. Überstanden. Groggy, aber happy. Gelöste Stimmung bei der Weinprobe. Zeit für die letzten Wanderblogger-Heldengeschichten.

Fazit für den Familienvater in Sachen Trekking: Richtig coole Sache. Plant zum Einstieg einfach mal eine Nacht und eine kurze Wanderung. Nehmt genug zu Essen mit, frische Luft macht hungrig. Und trekkt am besten im Hochsommer, wenns auch am Abend richtig schön warm ist. Eure Kinder sollten schon einigermaßen selbständig wandern können – dann wird das Wander-Trekking-Wochenende in der Pfalz für die Kids ein echtes Kindheitshighlight sein, von dem sie noch lang erzählen!

Und noch ein PS: Warum am Trekkingplatz immer nur sechs Zelte stehen dürfen und was ihr sonst alles zum Trekking in der Pfalz wissen solltet, lest ihr hier! Ihr findet auf der Seite zudem die ungefähren Standorte und wichtige Hinweise zur Benutzung der Plätze!

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