Engele oder Bengele – unterwegs auf der Teufelstour in der Pfalz

Teuflische Anstiege auf der Teufelstour – wenn das mal nix für die Wandern-mit-Familie-Familie ist? Papa war auf der Teufelstour in der nördlichen Pfalz unterwegs. Hier sein Bericht:

 

Wenn wir daheim fragen, ob Jonas und Timmi jetzt „Engele“ oder „Bengele“ sind, entspinnt sich meist ein kleiner Wettstreit mit dem Ergebnis, dass beide Kids „natüüüüüüürlich“ als Engele durchgehen. Nun war Papa auf der „Teufelstour“ in der Pfalz unterwegs – und hat gecheckt, ob die was für die Engele ist.

Sagengestalten, Höhlen, Fabelwesen und mächtige Felsriesen, tiefe Wälder und verschlungene Pfade – das ist der Stoff, aus dem die Lieblingstouren unserer Kinder gewoben werden. Und nun stehen wir am Bahnhof in Olsbrücken. Das ist jetzt zugegebenermaßen nicht ganz einfach zu finden auf der Deutschlandkarte – aber wenn man von Kaiserslautern den Finger auf der Landkarte nach oben bewegt und dann ein bisschen nach links kurvt, dann findet man das Örtchen in der nördlichen Pfalz. Mitten in einer sehr beeindruckenden Kulturlandschaft mit vielen Wiesen, vielen Hügeln und Bergen und einer schier unergründlichen Zahl an Tälern und kleinen Talgründen. Eine Hinweistafel sanft schöner Karte weist uns den Weg – und übrigens als Signet jener Teufel, der uns auch vom Betzenberg und vom 1. FC Kaiserslautern bekannt ist. Doch außer dem Logo haben die Fußballteufel aus Lautern sehr zu Jonas‘ Leidwesen nichts mit unserer Tour zu tun – vielmehr der Teufelsstein, den wir bald passieren werden.

Insgesamt liegen gut 15 Kilometer vor uns – und am Vormittag sind wir froh über den ersten längeren Anstieg, der unsere kleine Wandergruppe auf Betriebstemperatur bringt. Bald ist der erste Aussichtspunkt samt sehr bequemer Rastbank erreicht. Wir lassen den Blick in die umliegenden Täler schweifen und blicken auch auf zwei Steinbrüche mit rotem Sandstein. Hier wurden unter anderem Steinquader für den Deutschen Reichstag geschlagen – das Material ist übrigens auch beim Hausbau in den umliegenden Ortschaften sehr beliebt (gewesen). Und wenn beim Reichstag mal wieder ein paar Steine ausgetauscht werden müssen, dann rückt ein Bautrupp an und holt die neuen Austauschsteine passgenau aus dem Berg. So erklärt’s unser Wanderführer – und wir diskutieren noch ein wenig, ob er uns nicht doch auf den Arm nimmt, haben wir die Geschichte mit den Reichstagsquadern doch irgendwo anders auch schon mal gehört… 🙂

Kleine Pfade, Wald und Wiesen und ein stetes Auf und ab kennzeichnen unseren Weg. Das ist für uns Allgäuer eine Herausforderung, sind wir es doch eher gewohnt, einen Berg zu erklimmen, dort zu brotzeiten – und dann wieder abzusteigen. Rauf – oben – wieder runter. Auf der Teufelstour gilt: Rauf – bisschen runter – rauf – runter – gscheit rauf – bisschen runter – bisschen rauf – runter – runter – runter. Das hat den Vorteil, dass man bei den Anstiegen schnell auch immer wieder ein Ende sieht. Hat aber auch den Nachteil, dass Papa in Gedanken zweimal zu oft gedacht hat „Jetzt geht’s nur noch bergab“.

Herrliche Aussichten über das Pfälzer Land genießen wir, blicken aber auch auf zahlreiche Windräder ringsum. Dank einiger Bachläufe und Rastplätze wird es nicht langweilig, bis schließlich der Teufelsstein erreicht ist: Er liegt mitten im Wald, der durchzogen von Höhlen und Erdlöchern ist. Ob das Gelände um den Teufelsstein ein keltischer Ritusplatz oder ein mittelalterlicher Steinbruch ist? Wenn 250 Millionen Jahre Erdgeschichte unter uns liegen und ein verwunschener Wald samt Steinriesen vor uns steht, regt das die Fantasie der Kids an, die man nicht mehr groß zum weiterlaufen animieren muss. Lohnt sich, denn gleich nach zwei Kurven kommt das nächste Highlight – ein Steinabbruch, bei dem man große Chancen hat auf fossile Versteinerungen aus den Zeit vor Jahrmillionen zu finden. Da Jonas und Timmi in dem Thema wahre Experten sind, ist auch dies ein echtes Highlight der Tour.

Nach einer diesmal etwas längeren Steigung folgt der erste große Zwischenstop in Eulenbis, wo wir im Beereweinmuseum (nach Voranmeldung, herrliche Führung mit einem echt erlebenswerten Museumsleiter Arnold Jung!) erfahren, warum Beere in der Pfalz nicht Beeren, sondern Birnen sind – und was man aus ihnen alles köstliches keltern kann. Nun geht’s nur noch bergab bis zum Bahnhof Untersulzbach, von wo wir dann einfach gemütlich mit dem Zug (im Stundentakt) zurückfahren.

15 erlebenswerte Kilometer, die abwechslungsreich sind und mit Geschichten und Urgeschichte viel Spannendes zu bieten haben!

Hinweis: Nehmt genug zu essen und zu trinken mit – die Einkehrmöglichkeiten an der Strecke sind nicht allzu zahlreich!

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